Hunderte Menschen bei der Tafel in Wiesbaden

Autor: Carsten Simon | In der Landeshauptstadt Wiesbaden sorgt die Tafel Wiesbaden seit drei Wochen immer mittwochs für die Versorgung ukrainischer Flüchtlinge mit frischen Lebensmitteln.

Ukrainische Flüchtlinge freuen sich über die Spenden

Den ukrainischen Flüchtlingen ist die Freude über die Solidarität der Menschen in Deutschland im Gesicht anzusehen. Die Konversation mit den Menschen aus der Ukraine ist meist auf Englisch möglich. Gegenüber BYC-News erzählen sie von ihrer teilweise zweiwöchigen Flucht mit der Familie oder Freunden im Auto von der Ukraine über Moldawien, Rumänien, Ungarn, Österreich nach Deutschland. Auch lange Wartezeiten in Polen haben viele Menschen erlebt. Eine schwangere Frau ist sehr glücklich darüber, gemeinsam mit ihrem Mann nach einer langen Reise sicher in Deutschland angekommen zu sein. Ob und wann eine Rückkehr in ihre Heimat möglich ist, kann sie heute noch nicht beantworten. Andere Flüchtlinge fühlen sich sehr willkommen in Deutschland, jeden Tag gäbe es viele Gespräche mit hilfsbereiten und freundlichen Menschen.

Ehrenamtliche Hilfe bei zusätzlichem Ausgabetag

Neben der Versorgung der Stammkunden wurde von der Tafel Wiesbaden spontan vor drei Wochen die Unterstützung ukrainischer Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Kleidung eingerichtet. Die ehrenamtlichen Helfer geben seitdem an einem zusätzlichen Tag in der Woche Waren aus, die durch Sach-, Geld- und Lebensmittelspenden der Tafel zur Verfügung stehen. Im Gespräch mit BYC-News erzählte die 1. Vorsitzende der Tafel Wiesbaden, Ruth Friedrich-Wurzel vom überraschend großen Bedarf der Flüchtlinge an frischen Lebensmitteln, ebenso wie an Kleidung. An der Pforte der Tafel in der Klarenthaler Straße in Wiesbaden wird über ein zusätzliches Schild in ukrainischer Sprache auf die Unterstützung hingewiesen. Trotz der wenigen Menschen, die neben ihrer Muttersprache Ukrainisch auch Englisch sprechen, konnten die Regeln zur Ausgabe von Lebensmitteln ohne Dolmetscher mitgeteilt werden. Die Tafel Wiesbaden sorgt bei der Ausgabe der Lebensmittel ebenfalls für die Einhaltung der 3G-Regeln, um einer Infizierung mit Corona vorzubeugen. Da der Großteil der ehrenamtlichen Helfer zur Risikogruppe gehören und nur ein geringer Teil der Flüchtlinge gegen Corona geimpft ist, war dies eine grundlegende Maßnahme der Tafel.


Der Sozialdezernent Christoph Manjura freut sich über das Engagement der Tafel

Die Stadtgesellschaft kann sich glücklich schätzen, dass es in Wiesbaden eine so gut organisierte Tafel zu haben, sagt Manjura. Dahinter stecken unzählige Stunden ehrenamtliches Engagement für eine doppelt positive Zielsetzung: mit materieller Armut konfrontierte Menschen kommen kostenfrei an Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Gleichzeitig wird das Wegwerfen von noch brauchbaren Lebensmitteln vermieden. Idealerweise bräuchten wir die Tafeln nicht, setzt der Sozialdezernent fort, aber es ist ein Segen, dass wir sie haben. Sie funktionieren aber nur, weil sie ehrenamtlich arbeiten. Als Stadt sind wir wichtiger Ansprechpartner, vermitteln Freiwillige und haben stets ein offenes Ohr für die Vorsitzende und die Engagierten. Gleichzeitig müssen wir stets daran arbeiten, dass vor allem die Kinder von heute als Erwachsene nicht auf die Tafel angewiesen sein werden.

Geflüchtete erhalten bei der Ankunft Lebensmittelpakete. Am ersten Werktag danach beantragen sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Da sie die Geldleistungen auf ihr Konto überwiesen bekommen, welches sie erst eröffnen müssen, bekommen sie vorab anteilig einen Scheck ausgestellt, in aller Regel über 100 Euro pro Person. In den Gemeinschaftsunterkünften gibt es Küchen. Hier kann gekocht werden. Aktuell wurden laut Christoph Manjura in Wiesbaden knapp über 3000 Menschen Geflüchtete aus der Ukraine registriert.

Tafel ist nur Unterstützer

Die Tafel ist mit ihrer ehrenamtlichen Unterstützung kein Vollversorger für die Flüchtlinge, sondern hilft mit frischen Lebensmitteln, jedoch auch mit Hygieneartikeln für Frauen und Kinder. Viele Großfamilien sind unter den Flüchtlingen, die seit drei Wochen in Wiesbaden unterstützt werden. Von den Helfern der Tafel werden die Ausweise der Flüchtlinge kontrolliert und zu einem späteren Zeitpunkt an die Stadt Wiesbaden weitergegeben. Nicht nur Flüchtlinge, die in Wiesbaden untergekommen sind, sind vor Ort anzutreffen. Aus Mainz oder auch Taunusstein kommen Flüchtlinge, um in Wiesbaden die Unterstützung zu erhalten. Die Tafel Wiesbaden erhält Lebensmittel aus den Geschäften und kann, auch wenn dies nicht dem Grundprinzip entspricht, aus den Mitteln der Geldspenden frische Waren einkaufen und an die Flüchtlinge verteilen. Manche privaten Spender haben direkt mit und für ukrainische Familien eingekauft.

Unterstützung für Flüchtlinge aus der Ukraine kann mit dem Vermerk „Ukrainehilfe“ an die Tafel gespendet werden:

Tafel Wiesbaden
Wiesbadener Volksbank
IBAN DE89 5109 0000 0007 2286 00